Starke erste Halbzeit reicht nicht: TSG Münster verpasst Überraschung beim BVB knapp
Mit einer durchwachsenen Vorbereitung, ernüchternden Auftritten beim heimischen Süwag Cup und dem Sauerland Cup sowie zahlreichen personellen Rückschlägen im Gepäck reiste die weibliche A-Jugend der TSG Münster zum ersten Saisonspiel der Jugend-Bundesliga nach Dortmund. Niemand im Team wusste so recht, wo die Mannschaft nach den vergangenen Wochen tatsächlich steht.
Neuzugang Luna Bansemir und Lea Keil entschieden sich noch vor Saisonbeginn gegen das Abenteuer Jugend-Bundesliga und schlossen sich anderen Vereinen an. Besonders schwer wog zudem der Kreuzbandriss von Linksaußen Jule Neumann-Moreno, die der Mannschaft die gesamte Saison fehlen wird. Erfreuliche Nachrichten gab es dagegen von Sally Tere, die nach ihrem Kreuzbandriss wieder dosiert ins Training einsteigen kann. Zudem verstärkt Emma Pilz kurzfristig mit Zweitspielrecht vom Regionalligisten Ahnatal/Calden den Kader.
Mit entsprechend vielen Fragezeichen reiste die TSG zum Nachwuchs des Deutschen Frauen-Vizemeisters. Was die Münsterer Mädels dann jedoch in den ersten 30 Minuten auf das Parkett der Sporthalle Hörde zauberten, überraschte wohl alle Beteiligten.
Die Anfangsphase verlief zunächst ausgeglichen. Bis zum 5:5 nach knapp acht Minuten konnte sich keine Mannschaft entscheidend absetzen. Anschließend übernahmen jedoch die Gastgeberinnen aus dem Taunus zunehmend die Kontrolle. Mit viel Tempo, einer beeindruckenden Ballsicherheit und klugen Entscheidungen im Angriffsspiel erspielte sich die TSG Schritt für Schritt Vorteile. Besonders Lena Preß, die am Ende auf zehn Treffer kam, führte ihre Farben immer wieder erfolgreich zum Tor. Auch Mia Herr mit neun Toren und Sophie Bradasch mit vier Treffern sorgten immer wieder für Gefahr.
Aus dem 5:5 wurde binnen weniger Minuten ein 10:15, später sogar ein 13:19. Nach 25 Minuten hatten sich die Münsterinnen auf sechs Tore abgesetzt und brachten den Bundesliga-Nachwuchs von Borussia Dortmund mit ihrer flexiblen Defensive immer wieder aus dem Konzept. Zwar verkürzte der BVB in den letzten Minuten vor der Pause noch etwas, dennoch nahm die TSG eine verdiente 23:19-Führung mit in die Kabine.
Trainer Fin Welkenbach war entsprechend zufrieden: „Die erste Halbzeit war die beste Halbzeit, die ich von dieser Mannschaft seit sehr langer Zeit gesehen habe. Wir haben im Angriff unheimlich gut den Ball laufen lassen und den Blick für die freie Mitspielerin gehabt. Und wenn es mal eng wurde in den entscheidenden Momenten, immer gut einen Zweikampf gewonnen.“
Auch defensiv überzeugten die Münsterer Mädels lange Zeit. „In der Abwehr haben wir es geschafft, Dortmund über unsere flexible Deckung lange sehr gut zu kontrollieren, allerdings kurz vor der Halbzeit aufgehört mit dieser konsequenten Abwehr, weshalb wir unsere Führung Ende der ersten Halbzeit nicht mehr ausbauen konnten“, analysierte Welkenbach.
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild jedoch zunehmend. Dortmund agierte deutlich offensiver in der Abwehr und versuchte frühzeitig Druck auf den Rückraum der Gäste auszuüben. Die Trainer Fin Welkenbach und Florian Heinzer reagierten und nahmen zeitweise die Kreisläuferposition heraus, um mit vier Rückraumspielerinnen neue Räume zu schaffen.
Doch während sich die Gastgeberinnen immer besser auf die Linie des Schiedsrichtergespanns einstellten, verlor die TSG zunehmend ihren Rhythmus. Die Begegnung wurde härter geführt, viele Situationen blieben ungeahndet und die Dortmunderinnen nutzten die veränderte Dynamik konsequent aus. Aus der Vier-Tore-Pausenführung wurde zunächst ein ausgeglichenes Spiel und schließlich ein Drei-Tore-Rückstand.
Die Münsterinnen gaben sich jedoch nicht auf und kämpften sie sich immer wieder zurück. Noch beim 35:34 und 36:35 war der Anschluss hergestellt und ein Punktgewinn weiterhin in Reichweite.
In der entscheidenden Schlussphase fehlte den Gästen dann allerdings etwas die Ruhe. Zu hektische Abschlüsse und Ballverluste ermöglichten dem Dortmunder Nachwuchs leichte Ballgewinne und einfache Tore im Gegenstoß. So setzte sich der BVB in den letzten beiden Minuten entscheidend ab und gewann eine lange Zeit hochspannende Begegnung letztlich mit 39:35.
Trotz der Niederlage überwog bei Welkenbach nicht nur die Enttäuschung: „Dortmund hat uns in der zweiten Halbzeit aus dem Konzept gebracht und verunsichert. Auch nachdem Dortmund später wieder auf eine 6:0-Abwehr umgestellt hat, haben wir es leider nicht mehr hinbekommen, das, was wir in der ersten Halbzeit gut gemacht haben, im Angriff wieder abzurufen. Außerdem hat sich die Dortmunder Abwehr deutlich besser an die Linie der Schiedsrichterinnen angepasst, die sehr viel haben laufen lassen, was uns in der Abwehr leider nicht gelang.“
Und dennoch nahm der Münsterer Trainer viel Positives mit: „Am Ende schaue ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Spiel zurück, denn wir haben in der ersten Halbzeit so gut gespielt wie seit Langem nicht mehr. In der zweiten Halbzeit haben wir dann aber den mindestens verdienten Punkt durch unsere Fahrlässigkeit aus der Hand gegeben.“
So stand nach 60 intensiven Minuten zwar eine 35:39-Niederlage auf der Anzeigetafel, gleichzeitig aber auch die Erkenntnis, dass die TSG Münster in der Jugend-Bundesliga absolut konkurrenzfähig ist und sich vor keiner Mannschaft verstecken muss. Der erste Punktgewinn wurde in Dortmund zwar knapp verpasst, die gezeigte Leistung macht jedoch Mut für die kommenden Aufgaben.
Für Münster in Dortmund im Einsatz: Im Tor Leni Clemens (7 Paraden), Ida Klinkner (1). Im Feld: Jette Rotert (1), Mia Mauch (4), Lena Preß (10/3), Marlene Botta (2), Mia Herr (9/3), Carolin Helbig (1), Sinja Quade (1), Aurelia Hecht, Maria Bradasch, Julia Neumann, Emma Pilz (3), Sophie Bradasch (4).
Trainer Fin Welkenbach, Florian Heinzer. Betreuer Mara Flach
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